Freitag, 13. November 2015

So schreibt man mit Kinder ein Buch ohne Geld oder die andere Art einen Weihnachstbaum zu recyceln

Hintergrundgeschichte zum Büchlein "Schatz, ich hab den Weihnachtsbaum aufgegessen"

Ein kleines Büchlein nicht größer als eine Weihnachtskarte und doch mit so viel Mehrwert.
Wie verwertet man einen Bio-Tannenbaum nach Weihnachten? Z.B. in der Küche.
Heute ein wenig was zu Lesen, mit Einblick in die Welt des Bücherschreibens. Vielleicht überlegt sich ja der eine oder andere auch, ein Buch zu schreiben und weiß nicht so recht wie. Einfach anfangen! Deswegen: Gönnt mir ein wenig Werbung in eigener Sache, der Internetauftritt hier kostet jede Menge Zeit und gelegentlich auch Frustration. Im letzte Jahr habe ich deshalb quasi als Ausgleich mit meinen Kindern ein kleines Projekt gestartet, über das ich euch heute ein wenig berichten will: Unser Weihnachtsbaum-Buch. Das das kein Ausgleich war, sondern eine Herausforderung anderer Natur, werdet ihr gleich erfahren.
Vorneweg: Es ist kein "perfekt gestyltes Buch", es ist wie dieser Blog  experimenteller Natur, aber bis auf den Druck, das Binden und Eintüten ist doch alles selbstgemacht, von der Idee bis zum druckfertigen PDF stecken - da  stecken 100%  meine Kinder und meine Wenigkeit dahinter. Und darauf sind wir ein bisschen stolz.

Ein selbstgemachtes Buchprojekt mit meinen Kindern

Das war ein Abenteuer!
Wir schreiben ein Buch inkl. allem.
Um den Kindern zu zeigen, wie man von einer Idee bis zur Printausgabe kommt, haben wir uns gegen einen großen Verlag entschieden, der unsere kleines Projekt gewiss bis zur Unkenntlichkeit "verstümmel" hätte. Ganz klar hätte der Verlag das Büchlein schöner, besser, stylischer und sonstwas machen können, aber darum ging es nicht. Es war ein Buch, das meine Kinder mitgestaltet haben und beim Druck sollte es genauso rauskommen, wie sie es sich vorgestellt haben. So sind wir bei BoD hängen geblieben. Ein ökologischer Vorteil: Wir wollten nicht, dass 1.000 Stück gedruckt werden und dann irgendwann auf der Müllverbrennung landen. Gedruckt wird nur auf Nachfrage, was die Lieferzeiten von 1-2 Wochen bedingt. BoD ist eine deutsche Plattform, anders als Amazon Space. Auch das war mir wichtig, damit die Kinder mitlesen können.


Von der Idee bis zum PDF - Jeder kann mit Freeware ein Buch schreiben

Das unser "Opfer" der Weihnachtsbaum sein würde, war schon lange klar. So war es ziemlich aufregend, all die Ideen zusammen zu tragen, auszuprobieren und aufzuschreiben. Nur mit welcher Software? Freeware war das Mittel zur Wahl, denn wir können leider nicht so viel vorfinanzieren.  Außerdem: Ja! Jeder kann ein Buch schreiben. Doch es gibt aber Hürden zu meistern. Immer weiter lesen! Am meisten haben wir mit Formatierungen (das Büchlein entstand mit der Freeware Open Office) und unseren eigenen Tippfehlern gekämpft. Nach dem 50sten Mal durchlesen immer noch einen Fehler zu finden, ist hochgradig frustierend, aber es hat sich gelohnt. Das Cover hat uns die Freeware Gimp ermöglicht, die meinen kleinen Laptop dann aber doch ganz schön an den Rand seiner Leistung gebracht hat. Man hätte das Cover besser machen können...man hätte alles besser machen können. Aber dann hätten es die Kinder nicht mehr wiedererkannt.

Ein Buch braucht Mut zu Entscheidungen und jede Menge Nerven

Lektorat, Satz, Grafik... da hätte man Personal  beauftragen können. Dafür war der Lerneffekt maximal und abgesehen davon auch das Geld nicht da. So saßen wir zusammen und haben über Schriften, Schriftgrößen und Schrifttypen diskutiert, über die Größe von Bildern und welche Gestaltung der Text haben sollte, über Auflösungen beim Einscannen. Blocksatz oder Flattersatz? Zwei Begriffe, die meine Jungs jetzt schon mal gehört haben. Wir mussten darauf achten, dass Überschriften nicht unglücklich verrutschten oder das das ganzes Format zerschossen wurde,  wenn man mal eben die Schrift von 11 auf 12 setzt, weil die Kinder entschieden, dass sich das etwas größer viel besser liest. Dann hüpften die Bilder lustig herum und die ganze Formatierungsarbeit begann wieder von vorn. Ich war froh das es nur 56 Seiten waren und habe dennoch auf jede einzelne geschimpft. Freeware-Lösungen haben so ihre Tücken.  Das war schon echt nervenaufreibend.

Kinder und Bücher

So einen Weihnachtsbaum zu zerstückeln
braucht jede Menge Handarbeit und Zeit.

Dieses Buchprojekt war schon etwas Besonderes und jeder Deutschlehrer der meine Kinder kennt weiß das: Meine beiden Jungs haben bisher so ihre Probleme mit der lieben Rechtschreibung  und der Zugang zu Büchern war eher "zäh". Mit diesem Projekt haben sie aber live erleben dürfen, wie aus dem, was sie wirklich  können (zeichen, basten, werken, kreativ sein), ein Buch wird und wie das, was sie tun, für alle Ewigkeiten festgehalten wird. Seither ist der Gang in eine Buchhandlung immer auch mit ein wenig freudiger Aufregung verbunden: "Mama, kann es sein, dass da jemand unser Buch bestellt?" "Na klar! :)"
Übrigens: Die Hälfte der bescheidenen 14% die pro Buch als Marge an den Autor gehen, fließen ins Taschengeld meiner Kinder. Dafür haben sie zum Jahresbeginn viele Stunden gewerkelt und mit mir all die Dinge  ausprobiert, die im Büchlein zu finden sind. Welche Kinder warten ein Jahr auf ihren Lohn?


Mit weniger Perfektionismus zur perfekten Weihnachtskarte

Ich hab viel gelernt, auch über unsere Gesellschaft. Selbstvermarktung ist ein echtes Abenteuer, aber dass wir mit so einen kleinen Buch "reich" werden, haben wir auch nicht wirklich erwartet. Was wir gewonnen haben: Respekt vor Bäumen und Büchern, Freude am eigenen Können und wir schmunzeln seither, wenn wir Tannenbäume sehen.
Ein riesiger Dank geht an meine Mutter, die über viele Wochen hinweg Tannenbaumhändler angerufen hat. Leider nicht immer mit dem gewünschten Erfolg, denn viele waren im ersten Moment begeistert von der Idee, im zweiten Moment hat das Buch aber wohl doch nicht ihrem Geschmack entsprochen: Keine Farbbilder, selbstgemalte Zeichnungen...ja, es ist kein "Hochglanz-Buch", das von einem  Verlagen aufgestyled wurde und dann für teuer Geld auf den Markt kommt. Dafür steckt der Geist der Weihnacht  höchstpersönlich in diesem Büchlein und es lässt sich prima statt einer Weihnachtskarte verschenken, die mit 2 Euro viel weniger "Inhalt" bieten. Hier gibt es für 4 Euro auf 56 Seiten jede Menge Ideen und Wissen zum Weihnachtsbaum der ohnehin weggeworfen wird. Das Büchlein ist, wie es ist: ehrlich, einfach, schlicht und nicht perfekt, aber bietet viel Spaß.

Ein Projekt mit Zukunft

Es sah nicht immer lecker aus, was da so brodelte. Die
Tannennadeln bieten wirklich keinen schönen Anblick nach
dem Auskochen. Unbedingt einen alten Topf verwenden!
Das Harz am Topfrand lässt sich mit Öl recht gut beseitigen.
Wir hatten viel Freude mit unserem Büchlein und freuen uns aufs nächstes Jahr, denn gewiss werden wir an unserem Projekt weiter feilen. Oder wie kommentierte es mein Großer? "Mama, diese Jahr brauchen wir 2 Weihnachtsbäume. Einen zum Essen und einen zum Dekorieren." Na jedenfalls werden wir bim diesjährigen Tannenbaum nicht nur nach der Schönheit gucken, sondern auch nach dem Geschmack. Einige  neue Ideen haben wir schon. Vielleicht wählen wir dann auch den Weg über einen "richtigen Verlag", doch dann wird das Buch sicher 19,90 Euro kosten und viele Farbbilder haben und doppelt so dick sein. Mehr Papier, mehr unökologische Farbe, teurer, und vom Inhalt ähnlich.  Zersägt ihr euren Weihnachtsbaum denn lieber, wenn ihr auch noch das 4fache für ein Buch ausgegeben hättet? Wichtig ist nicht das Buch, sondern der Weihnachtsbaum!

Freude an den einfachen Dingen

Eine Tasse Tee vom Weihnachtsbaum? Wieso nicht!
Weihnachten, das Fest der Liebe. In der heutigen Zeit zeigt man Liebe leider häufig durch Konsum. Größer, teurer, perfekter. Und was schenkt man morgen?
Ich erinnere mich an ein Faun-Konzert in dem Oliver Pade sagte: "Schenkt euren Liebe doch Zeit, denn die ist das kostbarste überhaupt. Geht mit ihnen eine Stunde im Wald spazieren und erfreut euch  am Lachen und den Erzählungen eurer Verwandten und Freunde." Wie wahr. Natürlich hat er danach gesagt, "und wenn ihr doch was schenken wollt, so kauft unsere Luna-CD*". Aber das hat er sehr sympathisch gemacht, das ich hier ein wenig Werbung machen muss. Kann ich mich da anschließen? Der Satz hätte von mir sein können:  Schenkt euren Lieben eine Stunde Zeit. Bringt euren biologischen Weihnachtsbaum mit und bastelt gemeinsam Knöpfe, kocht Sirup aus dem Baum oder macht Tannensalz. Macht gemeinsam etwas Verrücktes und lacht zusammen. Das wird allen ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Das ist das, was mit Zeit schenken gemeint ist. Schenkt ihnen unvergessliche, einzigartige Augenblicke - dafür braucht es so wenig. Manchmal nur einen ausgedienten Tannenbaum. Anleitungen gesucht? Kauft mein Büchlein, am besten über Ecobookstore, dann ist es auch versandkostenfrei und nützt dem Klima  und dem Regenwald. :)

Wertschätzung und Respekt

Natürlich stehe ich nach Weihnachten jedes Jahr vor meinen Tannenbaum und bin traurig, dass so eine Baum 10 Jahre gewachsen ist und dann  für 2 Wochen gefällt wird. Wertschätzung und Respekt vor der Natur war es, das mich Antrieb den Baum nicht achtlos aus dem Fenster zu werfen, wie es ein schwedischer Möbelhersteller in seiner Werbung immer zeigt. Albert Schweizer würde sich im Grabe umdrehen, dann das hat nichts mit  "Ehrfurcht vor dem Leben"  zu tun. Es ist Weihnachten. Zeit der Wertschätzung. Wie oft sitzt jeder vor uns andächtig am Heilig Abend vor dem Baum, weil es der Kalender vorgibt. Und am 7.1. gibt der Kalender vor diese Achtsamkeit wieder abzulegen? Dann haben wir es nicht verstanden! Sich all die Jahre bedächtig durch und mit der Natur zu  bewegen, schärft die Sinne für Achtsamkeit und weniger Konsum. Ein Tannenbaum ist ein Stück Natur. 20 Millionen Tannenbäume werden jedes Jahr allein in Deutschland verkauft. Wo wachsen die? Welche Fläche natürlich bunten Mischwald vernichten wir, nur wegen dieser 2 Wochen?  Was gelangt an Spritzmitteln ins Grundwasser nur wegen dieser zwei Wochen Weihnachtszeit?
Wenn schon ein Weihnachtsbaum, dann biologisch, wenn schon ein ganzer Baum, dann diesen wertschätzen und nicht blind konsumieren. Was ich mir zu Weihnachten wünsche: Einen biologischen Tannenbaum und Zeit mit meinen Lieben. Es braucht so wenig um glücklich zu sein.

Wir freuen uns auf unsere nächste Bio-
Tanne und die Zeit nach Weihnachten.
Wer das Büchlein "Schatz, ich hab den Weihnachtsbaum gegessen*" nun als "bessere Weihnachtkarte" verschenken möchte, kann es bei Ecobookstore bestellen.

Euch allen eine frohe und besinnliche Vor-Weihnachtszeit!

In diesem Sinne danke ich allen Bestellern (mit mehr als 10 Stück), die abseits den Mainstreams einen kleinen Projekt eine große Chance geben.




Kommentare:

  1. Schon allein wegen des Titels finde ich das Buch klasse!! Ich hab mir soeben 2 Exemplare bestellt (eins davon bekommt meine Nachbarin zum Geburtstag :-) und bin schon sehr gespannt.
    Ich finds klasse, dass ihr als Familienprojekt so ein Buch zusammen gemacht hat. Und ich gönne Deinen Jungs ihr Extra-Taschengeld!
    Liebe Grüße
    Marion

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  2. Liebe Marion,
    ganz herzlichen Dank! Wenn den Kommentar meine Jungs morgen lesen, stehen sie, die Hände offen haltend, vor mir :-)
    Ich wünsche dir ganz viel Freude mit dem Büchlein.
    Liebe Grüße
    Sindy

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  3. Mir hat es sehr viel Freude gemacht, Weihnachtsbaumproduzenten, wie es die Bezeichnung will, dieses Büchlein zu präsentieren, ich war glücklich über soviel positives Feedback. Vielleicht ist es bei dem einen oder anderem Kunden, schlichtweg vergessen worden, aber für alles gibt es ein nächstes Mal.
    Erika Otto (Vertriebspartner)

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  4. Du bist ja sowieso die Bestes :)
    Vielen lieben Dank für Alles :)

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  5. Hallo Sindi

    Dein Blog ist wunderbar! Lieb von Dir, uns an Deinen Experimenten teilhaben zu lassen. Danke! ;)))

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  6. Lieber Andreas,
    Ich hab Euch zu danken, denn ohne Leser wäre dies nur eine Sammlung Text. Doch so ist es so viel Mehr!
    Ganz liebe Grüße aus den Nessel im winterschlaf.
    Sindy

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  7. Liebe Sindi,

    ich habe Deinen Blog heute gefunden (als ich nach Malve als Gemüse recherchiert habe) und stöbere hier nun schon mehr als eine Stunde mit wachsendem Interesse und großer Freude in allen Rubriken herum. Herzlichen Dank für diese Fundgrube der Inspiration ~ :)

    Nun noch zum Anlass dieses Kommentars: Du sprichst oben von "Freeware" meinst aber "Free Software", was einen großen Unterschied macht. Es ist eine Verwechslung, die häufig geschieht und der "Freie Software"-Bewegung sehr schadet.

    Darum hier mal zwei Links, wo das genauer erklärt wird, verbunden mit der Bitte, dass du den Artikel entsprechend verbesserst. Toll wäre, wenn Du hinter der korrekten Bezeichnung "Freie Software" zu einem der Artikel verlinkst:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Software#Freeware
    https://fsfe.org/activities/wipo/fser.de.html

    Liebe Grüße,

    Gabriele

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  8. Liebe Gabriele,
    danke für die Korrekturen. Der Unterschied zwischen Freeware und Free Software war mir tatsächlich nicht geläufig. So lernt auch ein Unkraut-Fan etwas über Software - Abenteuer "Bloggen".
    Die Änderungen werde ich die Tage in den Artikel oben einbauen (aktuell bin ich nur mobil online, da ist das kompliziert), doch zuerst muss ich ohnehin mal die Links angucken die du mir geschickt hast und ein wenig "Freie Software"-Wissen in mich hinein saugen ;D. Nur wollte ich Deinen Kommentar auch nicht einfach so unbeantwortet veröffentlichen, ist ja doch wichtig.
    Liebe Grüße
    Sindy

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  9. Liebe Sindy,

    danke für deine schnelle Rückmeldung! :)

    Hinter meinem Namen findest Du einen Link zu einem Artikel auf meiner Hompepage mit Verweis auf einen Fernsehbeitrag zum prominentesten "Freie Software" Produkt, dem Computerbetriebssystem Linux. Darin werden die Prinzipien und wichtige Protagonisten der Freie Software Bewegung vorgestellt. Der Film dauert 30 Minuten und ist eine entspannte und unterhaltsame Einführung ins Thema.

    Liebe Grüße,
    Gabriele

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