Dienstag, 7. April 2015

Veilchenessig, Veilchenzucker, Veilchensirup - alles lila oder was?


Veilchen sind etwas Wunderbares. Allein die Farbe erfreut das Herz, der Duft geht direkt in die Seele und der Geschmack in den Magen: als Veilchenessig über den Salat, als Veilchenzucker auf Cupcakes, als Veilchensirup in die Limonade. Diese wunderbaren kleinen lila Farbtupfer als Unkraut zu bezeichnen, ist schon fast eine Beleidigung, aber: Aktuell blühen bei uns die Veilchen um die Wette, eben wie Unkraut. Ernten tue ich meist unter den verärgerten Blicken der Passanten: Was mir denn einfällt, dieses Naturschauspiel zu zerstören. Und dann, dann berichte ich, was man daraus Wunderbares kochen kann und plötzlich merkt man, wie die vormals wütenden Blicke sich in suchende verwandeln...jaja, Veilchen verzaubern :)....
Veilchen verzaubern - auch die Köche. In diesem Beitrag erfahrt Ihr, was sich aus Veilchen so alles machen lässt.
Die Veilchen wildere ich übrigens nicht. Sie wachsen in meinen eigenen Garten und ich pflücke immer nur 1/3 des Bestands. Die andern 2/3 sollen sich neu aussamen, immerhin will ich mich auch im nächsten Jahr an dieser Nasen- und Augenweide erfreuen.
Schade dass ich den HTML-Code für "Veilchengeruch" nicht kennen und das Internet  geruchsfrei ist. Lieblich betörend streifte ein sanfter Hauch von Veilchen und Frühling durch meine Küche. Eine wahre olfaktorische Orgie.
Es gibt unzählige Viola-Arten bis hin zum Stiefmütterchen, das ebenfalls zu den Veilchen gehört. Die hier verwendeten Veilchen sind Duftveilchen (Viola odorata), wie sie zur Zeit zu Hunderten auf den Wiesen blühen. Und ja! Auch mir tut es immer ein bisschen leid, wenn ich die kleinen Farbtupfer von der Wiese zupfe. Aber nur ein bisschen, denn sobald ich die Veilchen in der Küche habe, freue ich mich riesig und meine Kinder sind immer ganz wild darauf, den Zitronensaft zum Veilchensirup zu tropfen...Abrakadabra!

Veilchenessig herstellen

Veilchen-Essig ist ein Gourmetessig der Extraklasse. Nie war Unkraut schöner.
  • neutraler Essig wie Reiswein- oder heller, milder Balsamico-Essig
  • Veilchenblüten 
Die Veilchen in ein verschließbares Glas geben und so viel Essig zugeben, bis die Veilchen bedeckt sind. Das Ganze auf der Fensterbank 24h bis 2 Wochen stehen lassen, dabei täglich schütteln. Anschließend die Blüten abfiltern und den Essig in eine Flasche füllen.
Frisch angesetzt steckt die Farbe noch in den Veilchen, nicht im Essig. Das ändert sich bereits wenige Stunde später.
Je länger der Essig zieht, desto eher nimmt er den Geschmack der Veilchen auf. Mir reichen 3-4 Tage, sonst wird mir der Geschmack nach Veilchen zu intensiv. Ein toller, besonderer Essig für blumige Salate und die Wildkräuerküche und ein echter Hingucker, wenn man einige Tropfen dekorativ in und um den Salat träufelt.

24h später ist Farbe und Geschmack aus dem Veilchen in den Essig gewandert. Wer möchte, kann den Essig 2 Wochen lang ziehen lassen, dann wird der Veilchengeschmack sehr kräftig. An der Farbe ändert sich aber kaum mehr etwas. Ein Tick dunkler wird er noch.
Tipp: Wie wäre es mit rosa Balsamico-Creme? Einfach den Essig kurz mit ein wenig Speisestärke aufkochen und grade so weit andicken, dass er die Konsistenz von Balsamico-Creme hat. Macht sich super auf den Tellern und jeder fragt sich, was das wohl ist.

Veilchenzucker selber machen

  • 1 EL abgezupfte Veilchenblütenblätter ohne Stiele
  • 2 EL Zucker

Zu schön zum Essen: Veilchenzucker sieht nicht nur toll aus, er riecht sogar nach Veilchen.
Die Veilchenblüten im Mörser mit dem Zucker vermahlen. Evtl. noch etwas Zucker zugeben. Die feuchte Masse anschließend einige Stunden auf der Heizung oder der Fensterbank in der Sonne trocknen lassen und bei Bedarf noch einmal im Mörser auf Zuckerkorngröße brechen.
Eignet sich als Deko-Streuzucker zu Vanilleeis, für Cupcakes, Torten oder Kekse und lässt sich eigentlich überall dort einsetzen, wo man auch Rosenzucker verwendet. Ein echter Luxus-Zucker.


Veilchensirup machen

Veilchentee. Auch der lässt sich trinken, aber wir machen
daraus Sirup.
  • 1 Tasse Veilchenblüten
  • 100 ml kochendes Wasser
  • 100 g Zucker
  • 1-2 TL Zitronensaft, tropfenweise zufügen

Die Kinder können es kaum abwarten: Zitronensaft macht aus    
Lila ein kräftiges Pink. Naturchemie.
Die Veilchenblüten mit kochendem Wasser übergießen und 3h ziehen lassen, dann abseihen. Man erhält einen schönen blauen Tee, der fast schon aussieht wie Tinte. Nun die Zitrone hinein tropfen und grade so viel zugeben, wie man den Blauton ins gewünschte Pink verwandeln verwandeln möchte. Meist ist man so fasziniert vom Farbenspiel, dass man so viel Zitrone zufügt, bis der gesamte Farbstoff aus den Veilchen reagiert hat. In dem Fall erhält man einen schönen dunkel-pinkfarbenen Sirup. Wer mehr wissen möchte, der kann einmal hier nach Farbstoff in Veilchen nachschlagen: Repertorium der organischen Chemie. Es ist ein sehr altes Buch.
Die Sirup-Grundlage wird nun 1:1 mit Zucker versetzt und aufgekocht bis der ganze Zucker gelöst ist. Dann in Flaschen füllen. Mit Mineralwasser aufgegossen eine erfrischende Limonade mit einen zarten Lila-Ton. Natürlich kann man nun auch noch mit blauer Lebensmittelfarbe nachhelfen, aber das ist was für Leute, die gerne Chemie essen.

Tipp: Wer statt normalem Zucker Gelierzucker verwendet, erhält ein farbstarkes Veilchengelee fürs Frühstücksbrötchen.

Viel zu schnell ausgetrunken: Veilchen-Limonade aus Veilchen-Sirup.




Kommentare:

  1. Bin eben auf Deinen Blog gestoßen...tolle Rezepte und Anregungen...weiter so :)

    AntwortenLöschen
  2. Danke :)
    muss noch bisschen warten mit dem "weiter so". Ds Unkraut will noch nicht so richtig wach werden...*grummel* ;)

    AntwortenLöschen
  3. Hallo !!
    Habe 100 Gramm Stiefmütterchen Blüten ( Veilchen ),wie viel Sirup bekomme ich da heraus ?
    Vorab schon einmal Danke.
    Mario

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Mario,
    "Standard"-Stiefmütterchen eignen sich nicht wirklich für Sirup, da sie meist kaum genügend Duftstoffe zum Extrahieren besitzten. Schnupper mal dran. Wenn sie nicht duften, dann sind die Blütenblätter nett anzuschauen und gegebenenfalls als essbare Blumen tauglich (sofern sie nicht aus einer konventonellen Gärtnerei stammen, wo oft alles mögliche gespitzt wird). Für Sirup haben sie viel zu wenig Aroma. Sirup kann man nur aus Blüten machen, die wirklich intensiv duften. Da im Herbst kaum Insekten/Bienen mehr fliegen, gibt es auch nur noch wenige Blüten die wirklich kräftig duften.
    Wenn das nun biologisch aufgewachsene, duftende Stiefmütterchen sind (es gibt ja zahlreiche Arten und Züchtungen der Gattung Viola), dann kann ich Deine Frage nur so weit beantworten, als dass Du, wenn du wie oben beschrieben vorgehst, die Stiefmütterchen in ein Glas oder eine Tasse füllst. Nach Rezept würden das etwa pro Tasse (also etwa 200 ml) Blüten 100 ml Sirup ergeben. Wenn es spritzmittelfreie Stiefmütterchen sind und Du das einfach mal testen willst, würde ich die Blüten, sollten sie kaum riechen, sogar verdichten, also so viele Blüten in die Zuckerlösung geben wie möglich. Aber dafür ist die bunte Pracht eigentlich zu schade. Mein Tipp: Misch die Blütenblätter lieber in einen Salat. Das Auge isst ja auch mit und voluminös und bunt siehts auch aus.
    Liebe Grüße Sindy

    AntwortenLöschen
  5. Tolles Rezept! Habe es soeben gemacht. Schmeckt irgendwie nach Parfüm..

    AntwortenLöschen
  6. Hallo :)
    Danke! Ich habe vorhin auch noch mal Sirup gemacht, bei mir ist er dieses Mal aber zu grün geworden. Stängel sollte man also unbedingt entfernen. Wieder was gelernt. Wenn es zu streng nach Pafüm schmeckt, kann man die Vielchenrezepte weiter verdünnen oder weniger Veilchen nehmen. Das ist ein wenig vom Wetter abhängig. Wenn die Sonne beim Sammeln scheint, dann entfalten die Blüten ihr volles Aroma und man benötigt deutlich weniger. Bei Veilchen wird der Geschmack recht schnell penetrant, aber die blühen jetzt noch ein oder zwei Wochen und die Saison ist wieder vorbei. Viel Spaß dir weiterhin.
    Liebe Grüße aus den Nesseln
    Sindy

    AntwortenLöschen