Montag, 29. Februar 2016

Brennnessel-Pesto mit Beifuß

Die Kunst eine rohe Brennnessel zu essen

Oh ja, ich esse Brennnesseln, reichlich und mit Vorliebe roh. Während beim erstem Satz die meisten Menschen die Augenbrauen hochziehen, fallen beim Wort "roh" oft die Kinnladen nach unten: "Wie zum Kuckuck kann man rohe Brennnesseln essen?"
Tatsächlich geht das mit einen blanko Brennnesselblatt, das man mal eben durchs Öl zieht. Mit so einer Ölschicht brennt nichts mehr. Gut kauen tut sein übrigens und auch die Schleimhäute im Mund kommen ganz gut mit den kleinen Brennhaaren zurecht. Mit so einen Ölmantel ist die Brennnessel also in ihrer ganzen Schönheit sogar salattauglich. Doch zugegeben: Beim ersten Biss in ein vollständiges Blatt ist einem schon ein wenig mulmig. Vielleicht ist ja doch noch irgendwo ein unbenetztes Brennhaar...Weitaus ungefährlicher ist da das Brennnesselpesto, heute mit einer kleiner Geschmacksergänzung.
Da Brennnesseln gern flächendeckend oder zumindest büschelweise wachsen, lässt sie sich
bereits jetzt im Februar schon wunderbar ernten.
Ein tolles Gemüse - schmackhaft, gesund und unverwüstlich.

In Anbetracht der zarten Triebe meines Liebenlingsblattgrüns kann ich nicht widerstehen: Brennnessel! Hurra!  Da ich meine Bestände aber noch etwas schonen muss, wird das Pesto um den Beifuß ergänzt, der aktuell auch seine ersten Blättchen in den zaghaften Frühling steckt.

Zutaten fürs Brennnessel-Pesto mit Beifuß

  • Ein Büschel junge Brennnesseltrieben  (das sind ca 75-100g, fertig vorbereitet)
  • 10-20 Beifußblättchen, was man eben jetzt finden kann
  • 30 g Mandeln, gemahlen
  • 40 g Parmesan, geriebene
  • 1-2 Knoblauchzehen
  • Salz, Pfeffer
  • Olivenöl 

Falls vorhanden, die groben Brennnesselstiele entfernen und die Brennnessel und den Beifuß kleinschneiden. Den Knoblauch durch die Knoblauchpresse drücken oder kleinschneiden. Wer einen Mörser hat, mischt nun alle Zutaten im Mörser zu einer Paste und fügt dabei so viel Öl zu, dass die Masse schön pastös wird.
Die schnellen, nicht italienischen Köche, können auch einen Pürierstab oder Mixer verwenden. Dann aber nur kurz pürieren, damit die Pflanzenteile nicht zu fein und suppig werden, sonst wird das Pesto zu matschig. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
In einem Schraubdeckelglas  mit einer Ölschicht bedeckt hält sich das Pesto gut 3 Wochen im Kühlschrank - aber wahrscheinlich wird es viel schneller gegessen.

Zart-würziger Beifuß und krautig-herbe Brennnessel, ein tolles Küchenduo.

Beifuß ist toll. Den werde ich Euch im Laufe des Jahres noch genauer vorstellen.  Doch nun gibt´s erst mal Abendbrot: frisches Brennnessel-Beifuß-Pesto auf frischen Baguett. Yummi.


Insekten im Februar beobachten leicht gemacht 

Uhi, fast wärs kein veganes Essen mehr gewesen. Unglaublich! Draußen hat es 3 Grad aber auf meiner 10 cm hohen Brennnessel sitzt bereits der erste Gast: die Raupe einer Achateule. Ich werde also etwas weniger Brennnessel räubern, damit der kleinen Raupe Nimmersatt die Nahrung nicht ausgeht.
Die Raupe einer Achateule jetzt im Februar auf einer Brennnessel.

Achateulen sind nicht selten. Sie gehören zu den unscheinbaren Abendfaltern, an denen die heimischen Wildvögel sich genüßlich tun. Die Raupen der Achateule fressen auch Löwenzahn, Salweide, Ampfer und noch so einige andere Gewächse, doch keines von denen ist schon so weit, wie die Brennnessel. Wer also erste Falterraupen beobachten möchte, sollte die Tage immer mal wieder auf die Brennessel gucken. Allein 22 Schmetterlingsarten nutzen die Brennnessel als Futterpflanze. Ich stehen also mit meiner Begierde für Brennnessel in einen wirklich harten Konkurrenzkampf :).

Mahlzeit. Brennnessel-Pesto mit Beifuß schmeckt köstlich als Brotaufstich oder zu Nudeln.


Samstag, 27. Februar 2016

Das Lebensgeister-Elixier gegen die Frühjahrsmüdigkeit

Frühlingsstart mit einen Brennnessel-Power-Drink

Gratis Mittel gegen Frühjahrsmüdigkeit: Brennnessel! Hier zum Einnehmen als Getränk.
Ein Mann geht in die Apotheke: "Guten Tag, haben Sie etwas gegen Frühjahrmüdigkeit?"
 "Aber sicher doch", antwortet der Apotheker: "Wir haben hier ein einzigartiges, altbewährtes Produkt. Als Inhaltsstoffe sind aufgeführt: Kalium, Calcium, Magnesium, Phosphor, Silicium, Eisen, Mangan, Vitamin C, B2, B5, E und K. Ferner enthält es krebshemmende Carotinoide, die auch beim Sehvorgang und für die Haut und Leber wichtig sind. Außerdem enthält es krebsvorbeugende,  antiviral und antibakteriell wirkenden Flavonoide, die  sich auch  positiv auf Ihr Herz-Kreislaufsystem auswirken. Das Produkt enthält auch Kumarin, das  beruhigend und gefäßharmonisierend wirkt, die Blutgerinnung verringert und die Lymphe in Fluß bringt. " 
"Klingt wie ein Wundermittel", nickt der Kunde.
Der Apotheker zieht die Augenbrauen hoch: "Oh ja! Es in in der Tat ein Wundermittel! Als besonderes Bonbon enthält es Acetylcholin , das den Blutdruck senkt, die Darmtätigkeit aktiviert und ebenfalls Ihre Gefäße erweitert; dazu kommen Ameisen- und Essigsäure. Beides dient als natürliches, antibakteriell wirkendes Konservierungsmittel. Als besonderer Inhaltsstoff  ist in diesem Mittel Serotonin enthalten: Es reguliert die Weite sämtlicher Gefäße im Körper, ob Blutgefäße, den Margen-Darm-Trakt oder die Atemwege. Serotonin ist auch als Glückshormon bekannt ."
Der Kunde schaut den Apotheker ungläubig  an:  "Das klingt wie ein unbezahlbares Wundermittel. Allein vom Zuhören bin ich schon deutlich wacher geworden."
An dieser Stelle dürft Ihr alle selbst überlegen: Was wäre Euch ein solches Mittel in der Apotheke wert?

Der Apotheker nickt und reicht dem Kunden eine Brennnessel: "Das Wundermittel gibt es gratis."
Eigentlich müsst diese Pflanze ein Vermögen kosten: die Brennnessel. Zum Glück kostet sie nichts.
Dieses Power-Mittel gibt es kostenlos sprichwörtlich an jeder Straßenecke,
sofern diese nicht von Hunden und Füchsen frequentiert wird....
 
Die Natur ist wundervoll - leider läuft das in den Apotheken etwas anders. Dort hättet Ihr nun einen Berg an teuren Mittelchen auf dem Tresen liegen.  Doch die grüne Apotheke der Natur kostet nichts. Willkommen zurück im Unkrautgourmet. Die Winterpause geht langsam zu Ende und ich scharre schon mit den Fingernägeln in der Erde auf der Suche nach dem ersten essbaren Grün.

Übrigens: Keinen der oben genannten Inhaltsstoffe kann man mit einer Handvoll Brennnesseln überdosiert, wie es bei der Einnahme mit isolierten Substanzen doch recht schnell passieren kann. Bei Einzelmittelchen fehlt  das Maß der Dinge, die Geschmacksstoffe und das "Sattgefühl", die einem sagen, dass es nun aber gut ist und man nicht mehr zu sich nehmen sollte. Doch nun ist es aber gut mit dem Getippe. Auf geht´s an den Mixer.

Zutaten und Zubereitung des Lebensgeister-Elixiers

  • eine Handvoll Brennnessel (das sind etwa 50 g)
  • 1 Banane
  • 500 ml Buttermilch
  • Saft einer Orange
  • Optional: Etwas Honig oder etwas Obst mehr.

Alles Zutaten in einen Mixer mixen und genießen. Schmeckt leicht krautig-herb, lässt sich aber mit Honig oder Obst nachsüßen, wenn man es denn süßer haben möchte.

Die Frage nach dem Mixer: Smoothiemixer oder nicht? Ich habe leider keinen Hochleistungsmixer. Bei mir packt das der Haushaltsmixer noch. Gerade jetzt im zeitigen Frühjahr sind die Blätter eh alle noch butterweich.


Grüne Apotheke gegen Frühjahrsmüdigkeit

Wie schon fertig? Ja! Sehr simple und überaus effektiv. Ich selbst werde die nächsten 4 Wochen alle 2-3 Tage einen brennnesselhaltigen Drink mixen oder sie anderweitig in meinen Speiseplan einbauen, solange mein Körper danach verlangt und habe, bis die Frühjahrsmüdigkeit um mich herum zuschlägt, meine Mineralstoff- und Vitaminspeicher mit der Brennnessel schon längst wieder aufgefüllt, ohne auch nur einen einzigen Schritt Richtung Drogerie oder Apotheke gesetzt zu haben. Da wusle ich lieber in der grünen Apotheke der Natur herum. Frühjahrsmüdigkeit ade. Unkraut ade (Oh, nein! Also ich schneide sie nur ab undreiße sie nicht raus, wenn für mich gehört sie als Gemüse in den Garten und soll ja wieder nachwachsen dürfen...).

Achtung: Histamin

Einen kleinen Wehmutstropfen und Warnhinweis zum Schluss für hochgradige Histamin-Allergiker: In den Brennhaaren stecken auch Histamine, die allergische Reaktionen verstärken oder auch auslösen können. Wer empfindlich auf Histamine reagiert, sollte vorsichtig mit kleinen Mengen testen. Histamine sind leider hitzebeständig, weshalb man dieses Drink nicht mit abgekochten Brennnesselblättern "enthistaminisieren" kann. Ich selbst vertrage auch einige histaminhaltige Lebensmittel nicht gut, aber mit der Brennnessel hatte ich bislang keine Probleme. Das muss jeder selbst austesten.

Mittwoch, 6. Januar 2016

Die den Weihnachtsbaum isst - der etwas andere Radio-Beitrag

Den Weihnachtsbaum nachhaltig nutzen und ihn konsumieren - ein Radio-Beitrag mit mir im NDR2

Im Norden der Republik arbeiten die Menschen heute (6.Januar), denn nur wir glücklichen Süddeutschen haben am Tag der heiligen drei Könige frei. Zwei dieser fleißigen Nordlichter, Holger Ponik und Ilka Petersen vom NDR2,  haben mich heute morgen schon angerufen und zum Radio-Interview gebeten. Dem bin ich natürlich promt nachgekommen, ging es doch um mein Herzensthema: Die Nutzung des Tannenbaumes nach Weihnachten. Werft das gute Stück nicht einfach weg, wie es in unserer Gesellschaft üblich ist - ist doch so ein Baum das Symbol für Besinnlichkeit und Einkehr gewesen. Ihn weiterzuverwerten ist viel nachhaltiger.
Viel Spaß beim Reinhorchen: hier klicken

Oder mit ein wenig Lesestoff hier:
https://www.ndr.de/ratgeber/kochen/rezepte/Essen-Sie-Ihren-Tannenbaum,weihnachtsbaum1082.html

Ja, bisschen verrückt ist das schon, was ich so mache :-D

Dienstag, 5. Januar 2016

Viel Freude in der Natur für 2016

Nein, ich hab Euch nicht vergessen. Und deswegen möchte ich Euch aus meiner Winterpause nachträglich noch ein gutes, gesundes, wunderschönes Jahre 2016 wünschen. Da ich gerade meine gefühlten 50.000 Fotos sortiere, hab ich auch eine nette Bilderserie gefunden, in der man sieht, wie das Glück wächst :).

Eine Marienkäferlarve...
...und noch eine. Diese hier ist etwas stacheliger und gehört einer anderen Gattung an. Die
Nachtkerzen auf denen die Larven saßen konnte ich natürlich nicht pflücken.

Die Melde war voll mit sich häutenden Marienkäferlarven und damit tabu für die Küche.
Marienkäfer schmecken furchtbar, total bitter und ich bin ja nun einiges gewöhnt.
Und dann waren plötzlich Marienkäfer überall, in allen möglichen Farben und Punktierungen.

Ich verzichte aber liebend gerne auf den einen oder anderen grünen Stängel mit Käfern,
bin ich doch froh, eine solch bescheidenen Artenvielfalt überhaupt in unserer Agralandschaft
vorzufinden.

In diesem Sinne hoffe ich sehr, Euch mit dem ersten sprießenden Grün  wieder mit meinen kuriosen, wilden Küchenexperimenten und der einen oder anderen Anektode aus der Natur versorgen zu können und wünsche Euch allen viel Freude und Liebe fürs Jahr 2016 und viele schöne Momente im Grünen.

An dieser Stelle möchte ich mich bei ein paar ganz besonderen Menschen bedanken:
  • Der Familie Kling aus Wilhelmsfeld, die sich alle die Wachstumsjahre um unsere Tannenbäume im Wald gekümmert hat und bereits seid viele Jahren unseren kommenden Weihnachtsbäume schon hegt und pflegt. Danke!
  • Herr Seiler von der Gartenharmonie in Lindau, der uns mit seiner Großbestellung von meinen Büchlein das Weihnachtsfest verschönert hat. Vielen Dank für Ihr Vertrauen!
  • Marion, die hier auch immer wieder im Blog etwas kommentiert und den Unkrautgourmet weiterempfiehlt. Ganz herzlichen Dank!
  • Meine Mutter und Familie für einfach alles :)
  • Allen Bloggern die sich 2015 mit mir vernetzt haben (besucht rechts die "schöne Blogs die ich lese"), mir Feedback gegeben haben oder auf deren Seite ich selbst die eine oder andere Inspiration gefunden habe. Ihr seid alle klasse! Vielen lieben Dank für ein tolles Jahr 2015!
  • All den unbekannten Lesern, die den Blog teilen, das Büchlein gekauft haben, meine Experimente nachgekocht haben ( und vielleicht doch den Mund schief gezogen haben,aber dennoch immer wieder hier reingucken), den stillen Mitlesern und allen Menschen die sich hierher verirrt haben. Ihr seid alle wunderbar!
Ich sitzt hier schon mit Messer und Gabel vor unserem Tannenbaum und warte darauf, dass ich ihn essen kann....

Sonntag, 15. November 2015

Bratapfel mit Fichtensoße - auch als "to go"-Variante

Diese Soße aus dem Christbaum gehört ab jetzt zum Bratapfel

Heute ein Special für das Blogevent von lifeisfullofgoodies.com. Nein, das ist kein Gartenblog, kein Wildkräuter, sondern ein Blog, den ich mir gerne anschaue, weil das "Food Porn" in Perfektion ist, und ich zugeben muss: Da gucke ich mir gern Essen an. Doch erst mal raus!
Noch steht der Tannenbaum im Wald und die Fichte im Garten, so dass ich gestern einen Küchen-Versuch mit voll ausgereiften Fichtennadeln starten durfte. Das Ergebnis war ein sehr köstlicher Bratapfel mit Fichtensirup. Versucht die Soße mit eurem Christbaum nach Weihnachten! Sie funktioniert mit Kiefer, Fichte und Tanne gleichermaßen, nur die Geschmacksnuancen variieren ganz leicht.


Das Sirup-Rezept aus meinem kleinen Büchlein habe ich etwas abgewandelt, um ihn als leicht herb-würzige Dessertsoße zu verwenden.  Die "alten" Fichtennadel eignen sich genauso  vorzüglich zum Aromatisieren wie Tanne. Die Zitronennote die jungen Trieben zu eigen ist, "retuschierte" ich mit Zitrone rein. Eines kann ich sagen: Mit Tanne vom eigenen Weihnachtsbaum schmeckt das natürlich nochmal so gut :-).  Liebes lifeofgoodies-Team, dieser Beitrag ist für euch und für alle Tannenbaumliebhaber, Förster und Unkrautgourmets.

ddd

Zutaten für den Bratapfel mit Fichtensoße 

Tanne, Kiefer oder Fichte - mit Zitrone, Gelierzucker und
Wasser wird daraus ein leckeres Dessertsößchen mit leicht
herb-würzigem Aroma.
  • 1 Tasse  Fichtennadeln (oder zu/nach Weihnachten auch Nadeln einer Bio-Tanne)
  • Saft einer 1/4 Zitrone 
  • 250 g Gelierzucker 1:1
  • 750 ml Wasser
  • 3  Äpfel, mittlere Größe
  • Füllung der Äpfel nach Belieben: z.B. 1 EL Butter mit gehackten Nüssen, Rosinen oder Marzipan vermischt, schneller geht es mit 2 EL  klein gehackter Studentenfutter-Mischung.

 

Der Blick in den Topf: da hat jemand schlecht gezupft. Da
sind ja noch Ästchen mit dabei....

Zubereitung von Soße und Bratapfel

Zur Not ein zweites Mal abseihen. Nadeln sollten sich
nach dem Kochen im Wasser keine mehr befinden

Die Äpfel waschen, mit einen Apfelausstecher ausstechen und mit der Füllung befüllen. Die Äpfel in Alufolie wickeln und bei 200 Grad 20-30 min, je nach Größe und Sorte der Äpfel) im Backofen backen. Optional geht natürlich auch das klassische Lagerfeuer.  :)
Derweil die Fichtentriebe abwaschen und die Nadeln von den Zweigen zupfen. Dann die Nadeln mit dem Wasser 30 min auskochen und abseihen. Das Fichtenwasser mit Zitronensaft versetzten und den Gelierzucker zufügen.  Noch einmal 4 Minuten kochen. Noch warm mit den Bratäpfeln servieren.
Wer möchte kann die Soße auch heiß in Flaschen füllen und zukochen. So hält sie sich mehrerer Wochen im Kühlschrank. Bei Bedarf einfach leicht erwärmen.




Bratapfel to Go

Für die Mitnehm- oder Geschenkvariante nehmt ihr ein breites Schraubglas in das eurer Apfel hineinpasst. Den Apfel füllt ihr wie gehabt mit einer Füllung eurer Wahl und gießt etwas Fichten-Soße drüber. Für die Einkoch-Version darf die Soße etwas dicker eingekocht sein, denn der austretenden Bratapfelsaft verdünnt sie! Zugeschraubt kommt das Glas mit dem Apfel in eine feuerfestes Schale mit Wasser und wird für 20-30 min bei 200 Grad eingekocht.  Nicht erschrecken! Gelegentlich kommt es vor, dass die Apfelschale mit einen lauten Knall im Ofen aufplatzt. Bei uns gab es ordentlich Aufruhr, weil es klang als wäre ein Rohr geplatzt oder eine Glühbirne explodiert, bis wir den Apfel im Ofen gesehen haben.

"Bratapfel to-go" eignet sich fürs Mitnehmen ins Büro oder als Mitbringsel. Ein so eingekochter
Apfel hält sich mit Fichtensoße mindestens eine Woche. Allerdings fällt er beim
Abkühlen zusammen. Dem Geschmack macht das aber nichts und anwärmen lässt er sich auch.

Der Bratapfel mit Fichtensoße hält sich mindestens 1 Woche. Eignet sich also auch als kleines Geschenk oder als besonderes Dessert für die Adventfeier im Büro.
Ich freue mich natürlich wenn ihr dazu mein Büchlein "Schatz ich hab den Weihnachtsbaum aufgegessen!"  mitverschenkt :-).


Den Tannenbaum einfach zu Dessertsoße verkochen? Na klar! Schmeckt würzig herb und passt
wunderbar zu Bratapfel mit Studentenfutter gefüllt.

Bei Nadelgehölzen gibt es einiges zu beachten! Von Pflanzenschutz bis tötdlich giftig!

  1. Verwendet Nadeln nur, wenn ihr 100% sicher seid, das ihr KEINE EIBE verwendet! Die wäre in diesen Rezept verwendet bereits TÖDLICH GIFTIG! Der ungefährlichste Weg:  Kauft  zu Weihnachten eine biologische, ungespritze Nordmanntanne, die ist ungiftig. Jeder einigermaßen botanisch fitte Tannenbäumverkäufer weiß eine Eibe von den anderen Bäumen zu unterscheiden. Darüber hinaus habe ich Eibe bisher auch noch auf keinen Weihnachtsbaumverkauf gefunden, eher schon bei den Selbstfällern entdeckt.
  2. Ich übernehme keinerlei Gewähr für die von Euch in meinen Rezepten verwendeten Zutaten und  Pflanzen und gehe bei allen meinen Rezepten davon aus, dass ihr die Pflanzen sicher bestimmt könnt und auch wisst, ob ihr gegen einzelne Bestandteile allergisch seid. Als Hinweis hier: Bei Tanne und anderen Coniferen können manche Allergiker auf Terpene reagieren! 
  3. Nadelgehölz darf man nicht in jedem Wald  abschneiden. Coniferen-Gewächse erholten sich langsamer von der "botanischen Wilderei" als Laubbäume.  Mancherorts ist das Abpflücken von Tannen- und Fichten-Zweigen eine Straftat und ihr riskiert eine saftige Geldstrafe, wenn ihr erwischt werdet. Mein Tipp für alle die auf ihren Weihnachtsbaum nicht warten können: Schaut euch in den Vorgärten um. Dort stehen oft übergroße Exemplare, die der Eigentümer ohnehin irgendwann zurückschneiden muss. Klingelt da  und fragt ob ihr ein Büschel Zeige bekommen könnte. Bei der Gelegenheit könnt ihr auch gleich fragen, ob der Baum gespritzt wurde. Die beste Option ist aber bis Weihnachten zu warten, dann eine Bio-Tanne zu kaufen und diese zu Dessertsoße weiter zu verarbeiten. Und Vorfreude gehört zu Weihnachten, wie diese Fichtensoße zum Bratapfel.
Bratapfel mit Fichtensoße auch in der eingekochten "to go"-Bratapfel-Variante.
In der Flaschen eingekochte Fichtensoße dient mir für den ultimativen
Geschmacksvergleich im Dezember, wenn mein Tannenbaum zur Dessert-Soße wird.

Freitag, 13. November 2015

So schreibt man mit Kinder ein Buch ohne Geld oder die andere Art einen Weihnachstbaum zu recyceln

Hintergrundgeschichte zum Büchlein "Schatz, ich hab den Weihnachtsbaum aufgegessen"

Ein kleines Büchlein nicht größer als eine Weihnachtskarte und doch mit so viel Mehrwert.
Wie verwertet man einen Bio-Tannenbaum nach Weihnachten? Z.B. in der Küche.
Heute ein wenig was zu Lesen, mit Einblick in die Welt des Bücherschreibens. Vielleicht überlegt sich ja der eine oder andere auch, ein Buch zu schreiben und weiß nicht so recht wie. Einfach anfangen! Deswegen: Gönnt mir ein wenig Werbung in eigener Sache, der Internetauftritt hier kostet jede Menge Zeit und gelegentlich auch Frustration. Im letzte Jahr habe ich deshalb quasi als Ausgleich mit meinen Kindern ein kleines Projekt gestartet, über das ich euch heute ein wenig berichten will: Unser Weihnachtsbaum-Buch. Das das kein Ausgleich war, sondern eine Herausforderung anderer Natur, werdet ihr gleich erfahren.
Vorneweg: Es ist kein "perfekt gestyltes Buch", es ist wie dieser Blog  experimenteller Natur, aber bis auf den Druck, das Binden und Eintüten ist doch alles selbstgemacht, von der Idee bis zum druckfertigen PDF stecken - da  stecken 100%  meine Kinder und meine Wenigkeit dahinter. Und darauf sind wir ein bisschen stolz.

Ein selbstgemachtes Buchprojekt mit meinen Kindern

Das war ein Abenteuer!
Wir schreiben ein Buch inkl. allem.
Um den Kindern zu zeigen, wie man von einer Idee bis zur Printausgabe kommt, haben wir uns gegen einen großen Verlag entschieden, der unsere kleines Projekt gewiss bis zur Unkenntlichkeit "verstümmel" hätte. Ganz klar hätte der Verlag das Büchlein schöner, besser, stylischer und sonstwas machen können, aber darum ging es nicht. Es war ein Buch, das meine Kinder mitgestaltet haben und beim Druck sollte es genauso rauskommen, wie sie es sich vorgestellt haben. So sind wir bei BoD hängen geblieben. Ein ökologischer Vorteil: Wir wollten nicht, dass 1.000 Stück gedruckt werden und dann irgendwann auf der Müllverbrennung landen. Gedruckt wird nur auf Nachfrage, was die Lieferzeiten von 1-2 Wochen bedingt. BoD ist eine deutsche Plattform, anders als Amazon Space. Auch das war mir wichtig, damit die Kinder mitlesen können.


Von der Idee bis zum PDF - Jeder kann mit Freeware ein Buch schreiben

Das unser "Opfer" der Weihnachtsbaum sein würde, war schon lange klar. So war es ziemlich aufregend, all die Ideen zusammen zu tragen, auszuprobieren und aufzuschreiben. Nur mit welcher Software? Freeware war das Mittel zur Wahl, denn wir können leider nicht so viel vorfinanzieren.  Außerdem: Ja! Jeder kann ein Buch schreiben. Doch es gibt aber Hürden zu meistern. Immer weiter lesen! Am meisten haben wir mit Formatierungen (das Büchlein entstand mit der Freeware Open Office) und unseren eigenen Tippfehlern gekämpft. Nach dem 50sten Mal durchlesen immer noch einen Fehler zu finden, ist hochgradig frustierend, aber es hat sich gelohnt. Das Cover hat uns die Freeware Gimp ermöglicht, die meinen kleinen Laptop dann aber doch ganz schön an den Rand seiner Leistung gebracht hat. Man hätte das Cover besser machen können...man hätte alles besser machen können. Aber dann hätten es die Kinder nicht mehr wiedererkannt.

Ein Buch braucht Mut zu Entscheidungen und jede Menge Nerven

Lektorat, Satz, Grafik... da hätte man Personal  beauftragen können. Dafür war der Lerneffekt maximal und abgesehen davon auch das Geld nicht da. So saßen wir zusammen und haben über Schriften, Schriftgrößen und Schrifttypen diskutiert, über die Größe von Bildern und welche Gestaltung der Text haben sollte, über Auflösungen beim Einscannen. Blocksatz oder Flattersatz? Zwei Begriffe, die meine Jungs jetzt schon mal gehört haben. Wir mussten darauf achten, dass Überschriften nicht unglücklich verrutschten oder das das ganzes Format zerschossen wurde,  wenn man mal eben die Schrift von 11 auf 12 setzt, weil die Kinder entschieden, dass sich das etwas größer viel besser liest. Dann hüpften die Bilder lustig herum und die ganze Formatierungsarbeit begann wieder von vorn. Ich war froh das es nur 56 Seiten waren und habe dennoch auf jede einzelne geschimpft. Freeware-Lösungen haben so ihre Tücken.  Das war schon echt nervenaufreibend.

Kinder und Bücher

So einen Weihnachtsbaum zu zerstückeln
braucht jede Menge Handarbeit und Zeit.

Dieses Buchprojekt war schon etwas Besonderes und jeder Deutschlehrer der meine Kinder kennt weiß das: Meine beiden Jungs haben bisher so ihre Probleme mit der lieben Rechtschreibung  und der Zugang zu Büchern war eher "zäh". Mit diesem Projekt haben sie aber live erleben dürfen, wie aus dem, was sie wirklich  können (zeichen, basten, werken, kreativ sein), ein Buch wird und wie das, was sie tun, für alle Ewigkeiten festgehalten wird. Seither ist der Gang in eine Buchhandlung immer auch mit ein wenig freudiger Aufregung verbunden: "Mama, kann es sein, dass da jemand unser Buch bestellt?" "Na klar! :)"
Übrigens: Die Hälfte der bescheidenen 14% die pro Buch als Marge an den Autor gehen, fließen ins Taschengeld meiner Kinder. Dafür haben sie zum Jahresbeginn viele Stunden gewerkelt und mit mir all die Dinge  ausprobiert, die im Büchlein zu finden sind. Welche Kinder warten ein Jahr auf ihren Lohn?


Mit weniger Perfektionismus zur perfekten Weihnachtskarte

Ich hab viel gelernt, auch über unsere Gesellschaft. Selbstvermarktung ist ein echtes Abenteuer, aber dass wir mit so einen kleinen Buch "reich" werden, haben wir auch nicht wirklich erwartet. Was wir gewonnen haben: Respekt vor Bäumen und Büchern, Freude am eigenen Können und wir schmunzeln seither, wenn wir Tannenbäume sehen.
Ein riesiger Dank geht an meine Mutter, die über viele Wochen hinweg Tannenbaumhändler angerufen hat. Leider nicht immer mit dem gewünschten Erfolg, denn viele waren im ersten Moment begeistert von der Idee, im zweiten Moment hat das Buch aber wohl doch nicht ihrem Geschmack entsprochen: Keine Farbbilder, selbstgemalte Zeichnungen...ja, es ist kein "Hochglanz-Buch", das von einem  Verlagen aufgestyled wurde und dann für teuer Geld auf den Markt kommt. Dafür steckt der Geist der Weihnacht  höchstpersönlich in diesem Büchlein und es lässt sich prima statt einer Weihnachtskarte verschenken, die mit 2 Euro viel weniger "Inhalt" bieten. Hier gibt es für 4 Euro auf 56 Seiten jede Menge Ideen und Wissen zum Weihnachtsbaum der ohnehin weggeworfen wird. Das Büchlein ist, wie es ist: ehrlich, einfach, schlicht und nicht perfekt, aber bietet viel Spaß.

Ein Projekt mit Zukunft

Es sah nicht immer lecker aus, was da so brodelte. Die
Tannennadeln bieten wirklich keinen schönen Anblick nach
dem Auskochen. Unbedingt einen alten Topf verwenden!
Das Harz am Topfrand lässt sich mit Öl recht gut beseitigen.
Wir hatten viel Freude mit unserem Büchlein und freuen uns aufs nächstes Jahr, denn gewiss werden wir an unserem Projekt weiter feilen. Oder wie kommentierte es mein Großer? "Mama, diese Jahr brauchen wir 2 Weihnachtsbäume. Einen zum Essen und einen zum Dekorieren." Na jedenfalls werden wir bim diesjährigen Tannenbaum nicht nur nach der Schönheit gucken, sondern auch nach dem Geschmack. Einige  neue Ideen haben wir schon. Vielleicht wählen wir dann auch den Weg über einen "richtigen Verlag", doch dann wird das Buch sicher 19,90 Euro kosten und viele Farbbilder haben und doppelt so dick sein. Mehr Papier, mehr unökologische Farbe, teurer, und vom Inhalt ähnlich.  Zersägt ihr euren Weihnachtsbaum denn lieber, wenn ihr auch noch das 4fache für ein Buch ausgegeben hättet? Wichtig ist nicht das Buch, sondern der Weihnachtsbaum!

Freude an den einfachen Dingen

Eine Tasse Tee vom Weihnachtsbaum? Wieso nicht!
Weihnachten, das Fest der Liebe. In der heutigen Zeit zeigt man Liebe leider häufig durch Konsum. Größer, teurer, perfekter. Und was schenkt man morgen?
Ich erinnere mich an ein Faun-Konzert in dem Oliver Pade sagte: "Schenkt euren Liebe doch Zeit, denn die ist das kostbarste überhaupt. Geht mit ihnen eine Stunde im Wald spazieren und erfreut euch  am Lachen und den Erzählungen eurer Verwandten und Freunde." Wie wahr. Natürlich hat er danach gesagt, "und wenn ihr doch was schenken wollt, so kauft unsere Luna-CD*". Aber das hat er sehr sympathisch gemacht, das ich hier ein wenig Werbung machen muss. Kann ich mich da anschließen? Der Satz hätte von mir sein können:  Schenkt euren Lieben eine Stunde Zeit. Bringt euren biologischen Weihnachtsbaum mit und bastelt gemeinsam Knöpfe, kocht Sirup aus dem Baum oder macht Tannensalz. Macht gemeinsam etwas Verrücktes und lacht zusammen. Das wird allen ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Das ist das, was mit Zeit schenken gemeint ist. Schenkt ihnen unvergessliche, einzigartige Augenblicke - dafür braucht es so wenig. Manchmal nur einen ausgedienten Tannenbaum. Anleitungen gesucht? Kauft mein Büchlein, am besten über Ecobookstore, dann ist es auch versandkostenfrei und nützt dem Klima  und dem Regenwald. :)

Wertschätzung und Respekt

Natürlich stehe ich nach Weihnachten jedes Jahr vor meinen Tannenbaum und bin traurig, dass so eine Baum 10 Jahre gewachsen ist und dann  für 2 Wochen gefällt wird. Wertschätzung und Respekt vor der Natur war es, das mich Antrieb den Baum nicht achtlos aus dem Fenster zu werfen, wie es ein schwedischer Möbelhersteller in seiner Werbung immer zeigt. Albert Schweizer würde sich im Grabe umdrehen, dann das hat nichts mit  "Ehrfurcht vor dem Leben"  zu tun. Es ist Weihnachten. Zeit der Wertschätzung. Wie oft sitzt jeder vor uns andächtig am Heilig Abend vor dem Baum, weil es der Kalender vorgibt. Und am 7.1. gibt der Kalender vor diese Achtsamkeit wieder abzulegen? Dann haben wir es nicht verstanden! Sich all die Jahre bedächtig durch und mit der Natur zu  bewegen, schärft die Sinne für Achtsamkeit und weniger Konsum. Ein Tannenbaum ist ein Stück Natur. 20 Millionen Tannenbäume werden jedes Jahr allein in Deutschland verkauft. Wo wachsen die? Welche Fläche natürlich bunten Mischwald vernichten wir, nur wegen dieser 2 Wochen?  Was gelangt an Spritzmitteln ins Grundwasser nur wegen dieser zwei Wochen Weihnachtszeit?
Wenn schon ein Weihnachtsbaum, dann biologisch, wenn schon ein ganzer Baum, dann diesen wertschätzen und nicht blind konsumieren. Was ich mir zu Weihnachten wünsche: Einen biologischen Tannenbaum und Zeit mit meinen Lieben. Es braucht so wenig um glücklich zu sein.

Wir freuen uns auf unsere nächste Bio-
Tanne und die Zeit nach Weihnachten.
Wer das Büchlein "Schatz, ich hab den Weihnachtsbaum gegessen*" nun als "bessere Weihnachtkarte" verschenken möchte, kann es bei Ecobookstore bestellen.

Euch allen eine frohe und besinnliche Vor-Weihnachtszeit!

In diesem Sinne danke ich allen Bestellern (mit mehr als 10 Stück), die abseits den Mainstreams einen kleinen Projekt eine große Chance geben.




Dienstag, 10. November 2015

Tee mit Brennnesseln, Minze und Orange

Jetzt tue ich es doch: Teetrinken. Als Kaffeetante und Gelegenheits-Schwarztee-Trinkerin müssen Kräutertees schon wirklich locker daher kommen, damit ich freiwillig zur Teekanne greife. Klar habe auch ich meine Büschel und Döschen angefüllt mit Kräutern aller Art für diverse "Zipperlein" im Schrank, aber einen richtigen Zugang zu Tee hatte ich bisher nur über meinen Schwarztee aus Brombeerblättern und Co., der mir als Basis für alle möglichen Variationen diente.

Brennnessel entwässert, Minze macht einen klaren Kopf und Orangenöl wirkt belebend.
Diese Teemischung ist eindeutig ein Morgens- und Mittags-Tee!

Ein Rezept lag bei mir deswegen viel zu lange in der Schublade. Ich hatte es vor Urzeiten mal aus Schweden mitgebacht. Doch nun war es fällig! Keine Ausreden mehr, denn alle Zutaten waren vorrätig: die ersten Bio-Orangen, meine Minze aus dem Garten und - nun ja - Brennnesseln zu finden bereitet nun wirklich keine Schwierigkeiten. Alles da für einen Versuch, der sich wirklich gelohnt hat!

Haustee  mit Brennnessel, Minze und Orangenschale

Das 200 ml Glas war in ein paar Tagen leer.
  • 1 Teil getrockente Brennnesselblätter
  • 1 Teil getrocknete (Pfeffer-)Minzblätter
  • 1 Teil getrocknete, zestrierte (abgehobelte) Bio-Orangenschale

Alles gut mischen. Ziehzeit 5 min.

Der Geschmackstest

Da müssen meine Männer herhalten. Meine Jungs schlürfen den  Tee mit einen TL Zucker pro Tasse. Kommentar: "Mama, schmeckt wie Honigtee". Freiwillig nachgefüllt: 3 Mal. Ich denke der Geschmackstest gilt eindeutig als bestanden. Hiermit wird die Teemischung offiziell in den Stand eines Unkrautgourmet-Tees erhoben.

Tipps zur Orangenschale

Nur Bio-Orange verwenden! Vor dem Abschälen solltet ihr die Orangen mit heißem Wasser übergießen, um den Wachsfilm anschließend leicht abreiben zu können. So habt ihr das volle Aroma!
Bio-Orangen sind fantastisch für die bevorstehende Weihnachtsbäckerei und die Schale viel zu schade zum Wegwerfen. Ich schäle die Schale fein mit einen Gemüseschäler runter, bevor ich die Orangen essen. Ohne die weiße Faserschicht nutze ich die dann getrocknete Schale für Tee wie diesen oder zu Pulver gemahlen als  Orangenaroma.  Dünn geschälte Schale trocknet meist von selbst an der Luft oder eben in der Restwärme des Ofens. Doch man kann auch ganz einfach Orangeat selbst herstellen und das schmeckt 100 Mal orangiger besser als das gekaufte! Wie? Zeig ich euch. Mal nichts mit Unkraut, eher mit "Abfall". :)

Wie man Orangeat und Zitronat leicht selbst herstellt

Noch ein Mitbringsel oder gleich für die Weihnachtsbäckerrei zubereiten:
selbst gemachtes Orangeat

Mit einen gröberen Gemüseschäler oder dem Messer, wird die Orangenschale heruntergeschnitten und die weiße Faserschicht weitestgehend entfernt. Bei mir darf die für Orangeat noch etwa 2 mm dick dranbleiben.  Dann wird die Schale in so kleine Stücke geschnitten, wie ihr das Orangeat später haben wollt. Anschließend werden die Orangenschalen-Stückchen 2-3 Mal kurz in jeweils neuem Wasser aufgekocht, um die Bitterstoffe aus der Faserschicht zu ziehen. Nun werden die Stückchen gewogen und mit der selben Menge Zucker in 100-150 ml Wasser bei kleiner Hitze eingekocht. Immer wieder umrühren, damit nichts anbrennt. Wenn man kleine Stückchen hatte und das Wasser vollständig verkocht ist, ist das Orangeat nach dem Auskühlen bereits hart und trocken. Wenn nicht, noch etwas in der Restwärme des Ofens nachtrocknen lassen. Selbes kann man mit Zitronenschale machen. Das wars. Sehr einfach, oder nicht?
In Zuckerwasser eingekocht wird aus dem Abfallprodukt "Orangenschale" eine
weihnachtliche Backzutat: Orangeat.

Die weiße Faserschicht bei Zitrusfrüchten - kleiner Ausflug in die Botanik und die Pflanzenheilkunde

Wer schon mal an der weißen Schicht einer Zitronen- oder Grapefruiteschale gerieben hat, der wird wissen, dass die sich sehr glatt, ja seifig oder fast schon schmierig anfühlt. Und ihr habt recht. Das seifige Gefühl wird durch die in dieser Schicht enthaltenen Saponine verursacht....Ahhh! Aufmerksame Blogleser werden nun sagen: "He! Saponine sind doch auch im Seifenkraut und in Roßkastanien enthalten." Gut aufgepasst! Und diese Saponine sorgen auch dafür, dass weder Seifenkraut noch Roßkastanie (ohne Vorbehandlung) wirklich lecker schmecken und eher zum Waschen taugen, denn als Zutat für die Unkrautgourmetküche. Unter anderem machen auch die Saponine die weiße Faserschicht von Zitusfrüchte so gruselig bitter.  Wirklich überraschen tut das den Botaniker nicht: Orangen und Co. gehören in die Ordnung der Seifenbaumartigen (lat. Sapindales) - gleicher Ordnung gehört im Übrigen auch die Waschnuss an! Und da weder die ätherischen Öle enthalten orange-farbene Außenschicht, noch der saftige Inhalt der Orange seifig stecken, müssen die Saponine doch irgendwo drin stecken! Eben dort: In der weißen Faserschicht.  Seifenbaumartige - der Name ist Programm.
( Memo an mich: Versuch aus der weißen Schicht eine Seifenlauge zu gewinnen und blogge darüber:)...ja so kommen einen die Ideen. )
Je  mehr ihr also von der weißen Faserschicht  abschneidet, desto mehr kommt der eigentliche Orangen- oder Zitronengeschmack durch und desto weniger "seifig" und bitter wird das Endergebnis. Gerade Tee profitiert im Geschmack, wenn ihr die weiße Schicht möglichst gründlich entfernt. Im Smoothie hingegen sollte ein wenig der weißen Faserschicht immer mit im Mixer landen, wenn ihr schon Zitrusfrüchte verwendet. Auch beim pur Essen darf davon etwas dran bleiben (meine Kinder hassen es - was aber darauf hindeutet, das sie deren Wirkung nicht benötigen!): die Saponine wirken entzündungshemmend, harntreibend, hormonstimulierend und schleimlösend und binden sogar Cholesterin. Klingt also nach einer Zutat wie für Erwachsene gemacht, weshalb Kinder die weiße Schicht abknubbeln dürfen sollten, wenn sie sie nicht mögen. Beobachtet das mal: Sitzt der Husten fest, schälen Kinder ihre Orangen meist viel großzügiger und mehr weiße Fetzten werden bereitwilliger mitgegessen! Man könnte nun sagen erkältete Kinder sind schlapp und müde und pellen die Orange deswegen nicht so pingelig wie sonst, aber da sieht man wieder, wie die Natur das alles selbst reguliert. Ein wenig mehr schleimlösendes Saponin mit dem abwehrkräftigendem Vitamin C und schwupps ist das Kind wieder gesund. Absolut spannendes Thema!
Wie überall: Alles in Maßen, denn die Dosis macht das Gift. In Roßkastanie und Seifenkraut sind einfach schon zu viel Saponine enthalten, so dass wir eine natürliche Abneigung dagegen haben, freiwillig in eine rohe Roßkastanie zu beißen.
Hübsches Mitbringsel für Teeliebebhaber:
in ein Schraubglas gefüllt wird diese selbst hergestellte Teemischung sicher nicht alt.

War heute mal weniger Unkraut-Wissen, ich hoffe es hat euch dennoch ein wenig gefallen.